Hinter der Fassade globaler Gesundheitsvorsorge offenbart das WHO-Pandemieabkommen Machtstrukturen, bei denen Mitbestimmung und Transparenz zur reinen Inszenierung verkommen.
Während in Genf die Verhandlungen über den sogenannten Pathogen Access and Benefit-Sharing Annex (PABS) laufen, mehren sich Stimmen, die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorwerfen, demokratische Prinzipien zu unterlaufen. Offiziell geht es darum, den Zugang zu Krankheitserregern zu regeln und die daraus entstehenden Vorteile fair zu verteilen. Doch Beobachter wie der Journalist James Roguski sprechen von einem politischen "Kabuki-Theater" – einer perfekt inszenierten Show, bei der die wichtigsten Entscheidungen längst gefallen sind.
Laut Roguski wird innerhalb der WHO die Delphi-Technik angewendet – eine manipulative Methode, mit der scheinbare Einigkeit erzeugt wird, während abweichende Meinungen systematisch marginalisiert werden. Delegierte aus afrikanischen Staaten wie Namibia oder Südafrika beklagten, dass ihre Vorschläge ignoriert und stattdessen vorgefertigte Entwürfe präsentiert worden seien. Kritik werde zwar protokolliert, aber faktisch nicht berücksichtigt.
Auch das Third World Network äußerte scharfe Bedenken: Allein der Zugriff auf Erregerdaten könne künftig eine automatische Verpflichtung zur Nutzenverteilung auslösen – ein Mechanismus, der vor allem großen Pharma- und Datenkonzernen zugutekäme.
Der vermeintliche "Versprecher" eines WHO-Vertreters während der Sitzungen, der von "strategischer Harmonisierung wirtschaftlicher Interessen" sprach, verstärkte den Verdacht vieler Beobachter: Es geht weniger um globale Gesundheit als um die Kontrolle über biologische Ressourcen, Daten und die künftige Pandemiepolitik, oder einfacher: um Profit.
Kritiker fordern daher, dass die WHO endlich zu echter Offenheit zurückkehren und die Verhandlungen öffentlich machen sollte. Denn wer Transparenz nur spielt, verliert das Vertrauen, das für internationale Gesundheitskooperationen unerlässlich ist.






