Forscher der Universitäten Mainz und München haben eine ausführliche Analyse von elf deutschen Leitmedien und deren Corona-Berichterstattung vorgelegt. (…)
Elf sogenannte "Leitmedien" darunter faz.net, sueddeutsche.de, welt.de, bild.de, spiegel.de, focus.de, t-online.de sowie TV-Formate wie Tagesschau (ARD), heute (ZDF), RTL aktuell und ARD Extra – wurden von den Forschern untersucht. Ziel war es, die Qualität der journalistischen Arbeit zu bewerten. Die Medien "nahmen eine eindeutig warnende Haltung ein, die man durchaus als einseitig betrachten kann", heißt es in der Studie. Die Berichterstattung habe sich sehr stark auf Politiker von Union und SPD sowie auf bestimmte Virologen konzentriert, während Maßnahmenopfer, "Corona-Skeptiker" und Oppositionspolitiker kaum zu Wort kamen, stellten die Wissenschaftler fest.
Auf 69 Seiten teilt die Studie "Einseitig, unkritisch, regierungsnah? Empirische Studie zur Qualität der journalistischen Berichterstattung über die Corona-Pandemie" ihre Ergebnisse. Das Paper hat nicht den Anspruch, grundlegende Paradigmen dieser "Pandemie" infrage zu stellen. Trotzdem kommt man selbst bei einer Untersuchung innerhalb des orthodoxen Narrativs zu kritischen Urteilen.
Ein zentraler Befund: Die Berichterstattung korrelierte nur lose mit der Pandemieentwicklung. "Zwischen der Intensität der Medienberichterstattung über die Pandemie und der Intensität des Infektionsgeschehens bestand ein eher loser Zusammenhang", notiert die Studie. Während der ersten Welle im Frühjahr 2020 erreichte die Berichterstattung ihren Höhepunkt mit bis zu 450 Beiträgen pro Woche, obwohl die Infektionszahlen in späteren Wellen dramatisch höher lagen (z. B. über 170.000 Neuinfektionen Ende 2020). Eine Frage wäre nun, inwiefern dies auch mit politischen Interessen korreliert hat...
Der Diskursraum wurde radikal eingeengt. (…) Politische Akteure dominierten mit 47 % der Nennungen, gefolgt von Wissenschaftlern (19 %). Betroffene (z. B. Infizierte) und Corona-Skeptiker kamen kaum vor (je ca. 1-2 %). "Bei den in der Berichterstattung erwähnten Akteuren zeigt sich eine starke Konzentration auf Politiker und mit einigem Abstand Ärzte und Wissenschaftler, während von der Infektion Betroffene und auch so genannte Corona-Skeptiker kaum vorkamen", resümiert die Studie.
Unter Politikern überwogen Unionsparteien (17 %), Oppositionsparteien wie AfD blieben marginal. Virologen wie Christian Drosten waren anfangs prominent, wurden aber später vom SPD-Politiker Karl Lauterbach abgelöst.
Gesundheitliche Folgen der Pandemie standen im Fokus, wirtschaftliche Nachteile gerieten ab Herbst 2020 aus dem Blick. "Während in der ersten Pandemie-Welle noch gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen der Pandemie etwa gleichermaßen diskutiert wurden, gerieten die (negativen) Folgen für die Wirtschaft ab der zweiten Pandemie-Welle aus dem medialen Fokus."
Auch hier wäre wieder die Frage nach der politischen Dimension relevant – diesen Anspruch stellt die Studie logischerweise aber nicht.
Die sogenannten "Corona-Maßnahmen", also staatliche Restriktionen, wurden meist als angemessen oder zu lasch bewertet. "…dass die Maßnahmen zu weit gingen, war in den Medien eher eine Minderheitenposition."
Die Medien sahen sich demnach in der Rolle, den Staat zu noch autoritäreren Schritten anzutreiben, anstatt diese bereits gesetzten Schritte kritisch zu bewerten. Oder, wenn man weniger streng mit den Medien sein will, heißt es: Leitwert war Sicherheit vor Freiheit. Es gab aber Unterschiede: t-online.de plädierte am stärksten für strengere Regeln, bild.de kritisierte am ehesten Übertreibungen.
(…) Einer der Studienautoren, der Mainzer Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer, sagte, die journalistische Einseitigkeit könnte "kontraproduktiv" gewesen sein, denn bis zu 15 Prozent der Menschen vertrauten den Medien inzwischen "überhaupt nicht mehr". Vor Corona habe dieser Wert lediglich bei rund fünf Prozent gelegen.
Mit einigen Kürzungen übernommen aus https://tkp.at/2025/10/01/studie-urteilt-ueber-deutsche-corona-presse/






